In der neuen ThemenZeit beleuchten wir Fragen, die uns alle berühren und laden zum gemeinsamen Austausch ein. Den Auftakt macht die Reihe „Was bleibt. Zeit – Leben – Tod“, in der wir den Umgang mit dem Thema Tod in unterschiedlichen Zeiten und Kulturen erkunden.
Was bleibt. Zeit – Leben – Tod
ThemenZeit
Die ThemenZeit soll Raum und Gelegenheit dazu geben, über verschiedene Perspektiven und Aspekte rund um das Thema Tod im Kontext unseres gesellschaftlichen Lebens nachzudenken, in Austausch zu treten und vielleicht auch Geschichten, Gefühle, Erinnerungen, Ansichten oder Sorgen zu teilen.
An vier Mittwochen (28. Oktober / 4. November / 11. November / 18. November 2026) erwarten Sie spannende Impulse, fundierte Vorträge, Lesungen und lebendige Diskussionen zum Thema „Was bleibt. Zeit – Leben – Tod“– jeweils von 16 bis 21 Uhr.
Jeder ThemenZeit-Tag beinhaltet zwei Vorträge und einen Impulsvortrag mit anschließender Roundtable-Diskussion im Ohlmer-Saal des RPM Museum Hildesheim.
Die ThemenZeit lädt ein, tief einzutauchen, Neues zu hören und gemeinsam Sinn zu finden – in einer Atmosphäre, die inspiriert und zum gemeinsamen Dialog anregt. Jetzt Tickets sichern und dabei sein!
Zusatzprogramm
Zusätzlich findet am 8. November 2026 in Kooperation mit der Musikschule Hildesheim e.V. ein Konzert mit einer Lesung aus ägyptischen Texten und einer Führung in der neuen Ägypten-Dauerausstellung statt.
Am 22. November 2026 (Totensonntag) thematisiert eine „Ägypten Spezial“-Führung den Umgang mit dem Tod im alten Ägypten.
Allgemeine Informationen
Programm
28. Oktober 2026 | 16 bis 21 Uhr:
Der Umgang mit dem Leichnam
16 Uhr | Vortrag (45 Minuten)
Ohlmer-Saal
Postmortale Biographien – Von verschwundenen Leichen, sozialistischen Herrschern und misslungenen Mumifizierungen
Oliver Gauert, RPM Museum Hildesheim
Nicht alle Verstorbenen gelangten auf direktem Weg in ihr Grab. Manche wurden auf kunstvolle Weise konserviert, um anschließend für Jahrzehnte zur Schau gestellt zu werden, während die Leichname anderer versteckt, gestohlen oder auf lange Reisen geschickt wurden. Mitunter sind die teils skurrilen Geschichten um die toten Körper nicht weniger spannend als die Biographien ihrer einst lebenden Besitzer.
Der Vortrag wird exemplarisch die Schicksale der Körper prominenter Verstorbener wie Lenin, Mao oder Eva Perón schildern, die in oft berührender Weise gesellschaftliche Entwicklungen ihrer Zeit reflektieren. Doch auch die modernen Balsamierungstechniken, wie sie beispielsweise in der Sowjetunion entwickelt wurden und noch immer im heutigen Russland zum Einsatz gelangen, werden erläutert.
17:15 Uhr | Vortrag (45 Minuten)
Ohlmer-Saal
Tabu Tod? Ein ehrlicher Blick hinter die letzte Tür
Josefine Neidhardt, RPM Museum Hildesheim
Im Spannungsfeld von Tabu, Praxis und persönlicher Erfahrung steht der gesellschaftliche und individuelle Umgang mit dem Leichnam im Mittelpunkt. Ausgehend von Caitlin Doughtys Buch „Fragen Sie Ihren Bestatter. Lektionen aus dem Krematorium“ werden Einblicke in die oft verborgenen Abläufe nach dem Tod eröffnet. Dabei treten sowohl historische Entwicklungen als auch aktuelle Praktiken in den Blick. Im Zentrum steht die Frage, wie Nähe und Distanz zum toten Körper kulturell ausgehandelt werden. Persönliche Erfahrungen ergänzen diese Perspektiven und ermöglichen einen reflektierten Zugang. So entsteht ein vielschichtiges Bild davon, wie der Umgang mit den Toten auch den Blick auf das Leben prägt.
18:30 Uhr | Impulsvortrag (15 Minuten) mit anschließender Diskussion
Ohlmer-Saal
Menschliche Überreste in Museen und Ausstellungen – Ein kontrovers diskutiertes Thema
Vortrag: Oliver Gauert, RPM Museum Hildesheim
Moderation: Josefine Neidhardt und Oliver Gauert, RPM Museum Hildesheim
Mumien, Skelette und auch andere menschliche Überreste stoßen erfahrungsgemäß auf großes Interesse bei Museumsbesucher*innen. Als Zeugen einer fernen Vergangenheit erlauben sie einen unmittelbaren Blick auf die Menschen, die die antiken Kulturen einst hervorbrachten. Doch ist es zu rechtfertigen, die Körper Verstorbener auszustellen? Der Impulsvortrag gibt einen Überblick über die aktuell in der Museologie und den Fachwissenschaften vertretenen Standpunkte und lädt die Teilnehmer*innen dann ein, selbst in die Diskussion zu diesem hochumstrittenen Thema einzutreten.
04. November 2026 | 16 bis 21 Uhr:
Erinnerungskultur
16 Uhr | Vortrag (45 Minuten)
Ohlmer-Saal
Erinnerungskulturen im alten Ägypten
Dr. habil. Lara Weiss, RPM Museum Hildesheim
Bestattungsrituale und Totenkult sind Klassiker der religionswissenschaftlichen Forschung, insbesondere für das alte Ägypten. Dennoch wissen wir relativ wenig darüber, welche sozialen und religiösen Strategien die Menschen auf dem Weg zur Erlösung nach dem Tod ausübten. Der Vortrag beleuchtet verschiedene Erinnerungskulturen am Beispiel von Gräbern der Nekropole von Memphis.
17:15 Uhr | Vortrag (45 Minuten)
Ohlmer-Saal
Geschichte auslöschen – Erinnerung kontrollieren. Die damnatio memoriae im alten Rom
Josefine Neidhardt, RPM Museum Hildesheim
Die damnatio memoriae im alten Rom war weit mehr als ein Akt der Tilgung: Sie fungierte als politisches Instrument der Machtsicherung und Kontrolle über ein kollektives Gedächtnis. Der Vortrag untersucht Formen und Funktionen dieser Erinnerungspolitik anhand epigraphischer und bildlicher Zeugnisse. Dabei wird gezeigt, wie materielle Eingriffe – das Ausmeißeln von Namen oder das Umarbeiten von Porträts – Teil eines bewussten Diskurses über Legitimität, Identität und Erinnerung waren. Zugleich wird deutlich, dass das sichtbare Löschen selbst zum Träger von Erinnerung werden konnte. So eröffnet sich ein differenziertes Verständnis davon, wie Erinnerung im alten Rom konstruiert, manipuliert und ausgelöscht wurde.
18:30 Uhr | Impulsvortrag (15 Minuten) mit anschließender Diskussion
Ohlmer-Saal
Bestattungskultur in Vergangenheit und Gegenwart – Ungleichheit bis nach dem Tod?
Vortrag: Josefine Neidhardt, RPM Museum Hildesheim
Moderation: Oliver Gauert und Josefine Neidhardt, RPM Museum Hildesheim
Wie spiegeln Bestattungen soziale Unterschiede – damals wie heute? Der Impulsvortrag beleuchtet Wandel und Kontinuität in der Bestattungskultur und zeigt, dass Ungleichheit oft bis über den Tod hinausreicht. Anschließend folgt eine gemeinsame Diskussion mit dem Publikum über Status und Gerechtigkeit im Umgang mit den Toten.
11. November 2026 | 16 bis 21 Uhr:
Wie gehe ich mit dem Tod um?
16 Uhr | Lesung (45 Minuten)
Ohlmer-Saal
Vom guten Leben und vom guten Tod
Dr. Norbert Hilbig, Hildesheim
Nur der, der gut gelebt hat, der kann wohl auch gut sterben. Nur lebensfrohe Menschen können vielleicht auch sterbensfrohe sein. Nur der, der zu seinem Leben hat „Ja“ sagen können, der kann auch zu seinem Tod „Ja“ sagen.
17:15 Uhr | Vortrag (45 Minuten)
Ohlmer-Saal
Konzepte von Tod und Trauer in Mesopotamien
Dr. Christian Bayer, RPM Museum Hildesheim
Der Tod und die Bewältigung von Trauer sind universale Menschheitsthemen. Auch die antiken Kulturen Mesopotamiens haben verschiedene Ideen und Konzepte im Umgang mit dem Sterben entwickelt, deren grundlegende Vorstellung die eines Übergangs in eine nachtodliche Existenz ist. Wie das Leben im Diesseits ist aber auch das Leben im Jenseits durch böse Dämonen und anderes Unheil gefährdet. Der Vortrag stellt Bestattungen und Jenseitstexte aus Sumer, Assur und Babylon vor und beleuchtet deren Beziehungen zu ägyptischen und alttestamentlichen Auffassungen von Tod und dessen Überwindung.
18:30 Uhr | Impulsvortrag (15 Minuten) mit anschließender Diskussion
Ohlmer-Saal
Wie gehen wir in unserer Gesellschaft mit dem Tod um?
Vortrag: Martin Sohns, Hospizverein Geborgen bis zuletzt
Moderation: Oliver Gauert, RPM Museum Hildesheim und Martin Sohns, Hospizverein Geborgen bis zuletzt
Tod und Sterben sind Begriffe, die uns als Gemeinschaft ein Leben lang begleiten. Ab einer bestimmten Entwicklungsphase sind wir uns als Teil dieser Gemeinschaft bewusst, dass unser Leben endlich ist und dass die Themen Tod und Sterben in der letzten Lebensphase eine bestimmende Rolle einnehmen. Oftmals setzt ein Verdrängungsmechanismus ein und eine Auseinandersetzung mit der Thematik findet nur sehr unzureichend statt. Tritt dann eine Situation ein, in denen der Mensch mit einer entsprechenden Diagnose oder Prognose konfrontiert wird, kommt es leider oftmals zu einer ausgeprägten Hilflosigkeit, sowohl bei betroffenen Personen als auch beim sozialen Umfeld dieser Menschen. Welche Denkanstöße kann man als Teil der Gesellschaft geben? Wo gibt es Unterstützungsangebote? Welche Institutionen gibt es speziell in der Stadt und der Region Hildesheim? Was können hospizliche und palliative Einrichtungen leisten?
Der Impulsvortrag soll Anstöße geben, wie man sich einer solchen Situation stellt und welche speziellen Fragestellungen dabei auftauchen können. Gerne dürfen eigene Erfahrungsberichte aus dem Auditorium in die anschließende Diskussion mit einfließen.
Hospizvereine, Palliativdienste, Palliativstationen, stationäre Hospize, spezielle Pflege-Einrichtungen, spezielle Beratungsstellen sowie viele andere Organisationen stehen unterstützend zur Seite. Im Mittelpunkt der Diskussion sollen der eigene Umgang und die Auseinandersetzung mit dem Tod stehen. Wie stelle ich mir meinen eigenen Tod vor? Wie möchte ich sterben?
18. November 2026 | 16 bis 21 Uhr:
Der Tod in der Medizin
16 Uhr | Vortrag (45 Minuten)
Ohlmer-Saal
Der Tod – Ein komplexes Phänomen. Zum aktuellen Kenntnisstand in Medizin und Neurowissenschaften
Oliver Gauert, RPM Museum Hildesheim
Die Medizin definiert den Tod als jenen Zustand, in dem die Lebensvorgänge im Organismus weitgehend oder gänzlich erloschen sind. Dabei lassen sich durchaus verschiedene Phasen oder Definitionen des Todes unterscheiden, die etwa im Hinblick auf Organtransplantationen von großer Bedeutung sind.
Der Vortrag wird diese Definitionen näher erläutern und die Abläufe vom Individualtod bis zum Absterben der letzten Zelle veranschaulichen. Dabei werden auch die für die Feststellung des Todes wichtigen Todeszeichen und die für deren Entstehung verantwortlichen Prozesse dargestellt. Zudem wird der Vortrag auch auf die sogenannten Nahtodesphänomene eingehen und die aktuellen neurowissenschaftlichen Erklärungsansätze dazu vorstellen.
17:15 Uhr | Vortrag (45 Minuten)
Ohlmer-Saal
Organ- und Körperspenden – Der Umgang mit dem Leichnam in der Medizin
Prof. Dr. Reinhard Pabst, Medizinische Hochschule Hannover
Gewebetransplantationen (Haut, Knochen, Knorpel) erfolgen beim gleichen Individuum (Autotransplantation). Bei den großen Organen wie Niere, Herz, Lunge oder Leber ist die Transplantation von einem Menschen auf einen anderen nötig (Allotransplantation). Die Zahl der Organspender in Deutschland ist allerdings sehr niedrig, sodass weiter Patienten auf der Warteliste sterben. Eine Erleichterung der Lebendspende und die Einführung der Widerspruchslösung würde auch in Deutschland eine Verbesserung bei den Organtransplantationen ermöglichen. In Zukunft wird die Transplantation vom Schwein auf den Menschen möglich werden (Xenotransplantation).
Die Körperspende erfolgt in Deutschland durch ein zu Lebzeiten verfasstes Vermächtnis. Die Körper werden an den anatomischen Instituten konserviert und von Studierenden präpariert. Alle Teile des einzelnen Menschen werden gesammelt und kremiert. Die Urne wird auf einem Gräberfeld des jeweiligen Instituts beigesetzt. Studierende organisieren Abschiedsfeiern für die Körperspender.
Der Vortrag wird die gegenwärtige Situation in Deutschland zusammenfassen, Probleme benennen und Lösungsansätze aufzeigen.
18:30 Uhr | Impulsvortrag (15 Minuten) mit anschließender Diskussion
Ohlmer-Saal
Muss man Angst vor dem Tod haben? Was kommt danach?
Vortrag: Prof. Dr. Reinhard Pabst, Medizinische Hochschule Hannover
Moderation: Oliver Gauert, RPM Museum Hildesheim, und Prof. Dr. Reinhard Pabst, Medizinische Hochschule Hannover
Der Tod bleibt ein Mysterium. Niemand weiß sicher, ob es ein Weiterleben nach dem Tod gibt und wenn ja, wie diese Fortexistenz aussieht. Weil man so wenig über den Tod weiß, aber auch weil er zwangsläufig mit Abschied verbunden ist, wird er von vielen Menschen als etwas Trauriges und Beängstigendes wahrgenommen. Aber gibt es wirklich Gründe, Angst vor dem Tod zu haben? Der Impulsvortrag fasst die Standpunkte der Weltreligionen, der Philosophie und der Medizin zusammen und leitet dann in eine Diskussion mit den TeilnehmerInnen über.
Zusatzprogramm
8. November 2026 | 11 Uhr
Schafhausen-Saal
Konzert mit Lesung aus ägyptischen Texten und anschließender Kurzführung (45 Minuten)
„Der Tod steht heute vor mir wie der Duft von Weihrauch“
(Ägyptischer Spruch, um 1800 v. Chr.)
Sinfonisches Blasorchester der Musikschule Hildesheim e.V. unter der Leitung von Marcus Müller und Dr. Christian Bayer, RPM Hildesheim
Kaum ein Medium entfaltet eine intensivere Wirkung als die Musik und so vermag sie auch in besonderer Weise der Trauer und dem Mysterium des Todes, aber auch der Hoffnung Ausdruck zu verleihen. Es werden Stücke von Bach, Verdi, Mozart, Saint-Saëns, Schwarz, Doss und Swearingen gespielt, denen jeweils inhaltlich passende Zitate aus ägyptischen Texten gegenübergestellt werden. Abschließend sind die Teilnehmer*innen eingeladen, an einer kurzen Führung zu Aspekten von Trauer und Trauerbewältigung im alten Ägypten teilzunehmen.
22. November 2026 | 14:30 Uhr
Neue Ägypten-Dauerausstellung
Der Umgang mit dem Tod im alten Ägypten (60 Minuten)
Oliver Gauert, RPM Museum Hildesheim
Der Totenkult nimmt eine zentrale Rolle in der ägyptischen Geschichte ein. Die Ägypter glaubten an ein Weiterleben nach dem Tod, wofür die Erhaltung des physischen Körpers notwendig war. Doch wie genau wurden die Verstorbenen mumifiziert und was erwartete sie im Jenseits?